Vollzeit-Mama. Halbtags-Job. Mindestpension? Wir fordern mehr für Frauen!

Bild: Manuel Domnanovich

Am 6. September war der Wiener Equal Pension Day, also jener Tag an dem Männer in Wien bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen bis Jahresende erhalten werden. Frauen bekommen in Österreich im Schnitt etwa halb so viel Pension wie Männer. Vergleichsweise schneidet Wien hier noch gut ab, doch der Pensionsunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt in Wien immer noch 31,7%. Obwohl es die Frauen sind, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, sind sie von Altersarmut am stärksten betroffen. Die Gründe für diese enorme Schieflage sind vielfältig. Frauen leisten einen Großteil der unbezahlten Care-Arbeit wie Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege. Das bedeutet oft, dass Frauen keine andere Wahl haben und eine Teilzeitstelle annehmen müssen. Hinzu kommt, dass frauendominierte Berufe meist drastisch unterbezahlt sind.

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„Während in der Krise Einzelne massiv profitiert haben, mussten die meisten Familien und Mindestpensionist*innen  jeden Cent umdrehen.“, zieht Wiener SPÖ-Frauenvorsitzende Marina Hanke Bilanz. „Es braucht endlich einen ausfinanzierten Sozialstaat und ein Pensionssystem, das Frauen nicht in die Altersarmut zwingt. Es ist dringend notwendig, sich unser Pensionssystem aus der Perspektive aller Menschen anzusehen und entsprechende Maßnahmen zu setzen, welche Frauen eine sichere und faire Pension garantieren“, fordert die Wiener SPÖ-Frauenvorsitzende.

Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf: „Frauen leisten nach wie vor einen Großteil der unbezahlten Arbeit. Das wirkt sich auf das Einkommen und auf die Pension aus. Die Corona-Krise hat deutlich gezeigt, dass die Mehrbelastung durch Home Office und Home Schooling Frauen stärker als Männer trifft.“

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SPÖ-Frauenvorsitzende Eva Maria Holzleitner hält fest, dass es in ganz Österreich ein umfassendes Paket für sichere Pensionen braucht: „Wir müssen die Kluft der Einkommen zwischen Frauen und Männern durch gezielte Maßnahmen verringern. Das betrifft zunächst die bessere Anrechnung von Kinderbetreuungszeiten. Statt 110 Euro sollen künftig 160 Euro pro Monat angerechnet werden. Für Frauen, die schon jetzt in Pension sind und Kindererziehungszeiten aufweisen, soll diese Extra-Pension von 50 Euro pro

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Monat pauschal auf die normale Pension aufgeschlagen werden. Weiters muss der Zugang zur Schwerarbeitspension ab 60 Jahren für Pflegekräfte eingeführt werden.“

„Es braucht entsprechende Rahmenbedingungen, damit allen Frauen – von der Jugend bis ins Alter – ein gutes und selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird. Ein Rechtsanspruch auf Gratis-Betreuungsplatz für jedes Kind ab dem 1. Lebensjahr, spezielle arbeitsmarktpolitische Förderungen für Frauen und umfassende Berufsorientierung und Aufbrechen geschlechtsspezifischer Rollenbilder bei der Berufswahl sind weitere wichtige Schritte in eine gleichberechtigte Zukunft“ hebt FSG Wien Frauenvorsitzende Korinna Schumann hervor.

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Unterstützung bekommen Frauen auch von Harry Kopietz, Präsident des Wiener Pensionistenverbandes: „Die Bedingungen der Berechnung der Pension sind grundlegend zu überdenken. Wir sind gefordert, verschiedene Lebenswelten zu berücksichtigen und das Pensionssystem dahingehend zu verändern.“ „Durch die Corona-Krise sind die Belastungen für Frauen noch zusätzlich gestiegen. Noch dazu hat die türkis-grüne Regierung im vergangenen Jahr Kürzungen für angehende Pensionist*innen beschlossen. Doch gerade jetzt ist der Handlungsbedarf größer denn je. Die Bundesregierung muss endlich ihrer Verantwortung nachkommen und allen Menschen in Österreich ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“ sind sich Hanke, Gaál, Holzleitner, Schumann und Kopietz einig.