Hanke: Wer zahlt die Krise?

Bild: Markus Sibrawa

Wiener Frauensekretärin LAbg. Nicole Berger-Krotsch eröffnete die Jahreskonferenz der Wiener SPÖ-Frauen, die unter dem Motto „Feministisch aus der Krise – Gleichberechtigt in die Zukunft in der Expedithalle Wien stattfand. Grußworte sprachen der Vorsitzende der Wiener SPÖ, Bürgermeister Dr. Michael Ludwig und die SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner.

Bürgermeister Dr. Michael Ludwig warnte in seiner Rede vor dem Abgleiten in traditionelle Rollenbilder angesichts der Coronakrise. Die Bundesregierung habe gerade bei Frauenthemen bisher zu wenig vorangebracht. „Wir sehen uns in Wien als deutliches Gegenmodell zur Bundesregierung“, betonte der Bürgermeister und verweist etwa auf das umfassende Gewaltschutzpaket und das 5. Frauenhaus, das nächstes Jahr eröffnet wird. Weiters habe man durchgesetzt, dass es eine Bevorzugung von Alleinerzieherinnen bei der Wohnungsvergabe gibt. „Das stellt eine zusätzliche Unterstützung für Frauen in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen dar“, erläutert Ludwig. Spezielle Förderprogramme im waff fördern außerdem Frauen und Mädchen, die auf dem Arbeitsmarkt unter Druck kommen. Bei den Wiener SPÖ-Frauen bedankte sich der Bürgermeister für die gute Zusammenarbeit.

Holzleitner: „Wien ist die Stadt der Frauen!“

Auch SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner hebt in ihrer Begrüßungsrede die Vorreiter*innenrolle Wiens als Stadt der Frauen hervor: „Frauen haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, gute Arbeitsbedingungen und echten Schutz vor Gewalt. Wien kämpft und arbeitet für die Frauen, die hier leben. Die SPÖ Wien schaut aber auch über den Tellerrand hinaus und ist solidarisch mit jenen, die Hilfe brauchen. Wien ist die Stadt der Frauen. Wien ist auch die Stadt der Frauenrechte, die Stadt der Menschenrechte.“

Marina Hanke: „Wer zahlt die Krise?“

Klare Worte zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Mädchen und Frauen fand die Wiener SPÖ-Frauenvorsitzende Marina Hanke in ihrer Rede. „Wir müssen aufhören, die Frage zu stellen, wer diese Krise zahlt. Nicht weil es nicht das größte Thema ist, sondern weil das für uns keine Frage ist! Für diese Krise müssen diejenigen zahlen, die die Lockdowns in ihren Villen verbracht haben, deren größte Sorge war, wann der Golfplatz wieder aufsperrt, diejenigen, die in der Krise nochmal um unvorstellbare Geldmengen reicher geworden sind. Die Vermögenden, die übrigens hauptsächlich Männer sind. Die Unternehmen, die in dieser Krise Profite gescheffelt haben, aber immer noch keine Steuern zahlen! Aus unserer Sicht gibt es keine andere Option, und deswegen werden wir auch nicht mehr Optionen offen halten, indem wir diese Frage stellen!“, macht Hanke deutlich.

Gleichzeitig plädiert die Frauenvorsitzende dafür, das Augenmerk vermehrt auf Mädchen und Frauen zu legen, die von der Krise besonders betroffen sind. „Es geht um jene Mädchen und junge Frauen, die in dieser Pandemie abgehängt worden sind, die im Distance Learning nicht gut folgen konnten, weil die Brüder zuerst den Laptop und das Internet bekommen haben, oder die ihre Mütter beim Kochen, beim Putzen oder beim Aufpassen auf ihre Geschwister unterstützen mussten. Die aus dem öffentlichen Raum verschwunden sind. Diese Mädchen und jungen Frauen haben unsere absolute Aufmerksamkeit verdient“, so Hanke.

„Was wir brauchen wenn wir das Leben der Frauen verbessern wollen, ist eine ganz radikale Politik, die die Verhältnisse von Grund auf auf den Kopf stellt. Was wir brauchen ist, dass wir dieses System, in dem Frauen die ganze unbezahlte Arbeit leisten, aushebeln. Wir brauchen eine faire Verteilung von unbezahlter Arbeit, wir brauchen eine Arbeitszeitverkürzung, damit das auch erleichtert wird, wir brauchen Mindestlöhne, wir brauchen Förderungen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt und wir brauchen endlich ein System, das Frauenleben auch so mitbedenkt, dass keine einzige Frau mehr eine Mindestpension beziehen muss“, zeigt sich die Wiener SPÖ-Frauenvorsitzende kämpferisch.