Anna, Kindergartenpädagogin

Anna lebt seit 2007 in Wien und arbeitet hier seit vielen Jahren als Kindergartenpädagogin. „Die Corona-bedingten Veränderungen durch Maßnahmen der Bundesregierung wurden sehr abrupt und mit wenig Vorwarnung umgesetzt. Ein sanfter Übergang war für Kinder, Eltern und Personal kaum möglich. Wir wurden mit mehr Unklarheiten als Lösungsvorschlägen zurückgelassen.“, meint Anna.
Während schnell klar war, dass kein Regelunterricht an Schulen stattfinden wird, wurde bei Pressekonferenzen wiederholt auf die Kindergärten vergessen. Viele Fragen blieben und bleiben offen: Wie kann Bildungsarbeit trotzdem fortgesetzt werden? Wie kann ein Kindergartenalltag in Corona-Zeiten stattfinden? Wie kann das Personal geschützt werden?

Anna hatte sich schon viele Projekte, Ausflüge und Schwerpunkte für ihre Gruppe überlegt. Anfangs war es auch ungewohnt für sie, die Kinder plötzlich nicht mehr täglich zu sehen und dadurch nicht mehr an ihrer Entwicklung teilzuhaben. Später, während der Rufbereitschaft, konnte sie Inhalte gut vorbereiten und mit den Familien der Kinder digital in Kontakt treten.
Momentan unterscheidet sich Annas Alltag im Kindergarten deutlich vom regulären Betrieb: Durch eine geringere Anzahl von Kindern pro Gruppe ist aus ihrer Sicht die Qualität der Arbeit gestiegen. Es ist Zeit und Raum für Bildungs- und Beziehungsarbeit und es kann leichter auf individuelle Interessen und Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden. Zusätzlich kann auch die Sprachförderung unmittelbarer in den Alltag integriert werden.

Anna wünscht sich, dass Wien die elementarpädagogischen Rahmenbedingungen weiterentwickelt und auch gemeinsam über den Wert eines vermeintlich traditionellen Frauenberufs diskutiert wird. Denn mit ihrer essenziellen Arbeit können KindergartenpädagogInnen die Jüngsten in unserer Gesellschaft positiv und solidarisch prägen, indem sie Diversität fördern, individuelle Entfaltung ermöglichen und gleiche Chancen für alle Kinder schaffen.