Mirijam, Ärztin

Mirijam arbeitet in einem großen Wiener Spital an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. Der Arbeitsalltag unter Corona ist anders und gleichzeitig doch nicht: Frauen bekommen trotz Corona ihre Kinder, Frühgeburten passieren trotz Corona, Krebs muss trotz Corona behandelt werden und auch sonstige medizinische Probleme nehmen leider keine Rücksicht auf die Pandemie.

„Ein großer Unterschied zu vorher ist, dass alle vorsichtig geworden sind und Schutzkleidung tragen.“, meint Mirijam. Das heißt vor allem den gesamten 25-Stunden-Dienst mit Atemschutzmasken und damit gefühlt im dauernden Sauerstoffmangel zu verbringen. Anders ist auch, dass die zu betreuenden Patientinnen – vor allem die schwangeren Frauen – Angst haben. Mit Maske im Gesicht oder im Fall von Corona-Patientinnen sogar in kompletter Schutzkleidung ist es deutlich schwieriger ein Vertrauensverhältnis zu den Patientinnen aufzubauen. Nähe und Berührung als medizinische Intervention sind plötzlich nicht mehr so einfach. Mirijam bewundert die KollegInnen, die auf Corona-Intensivstationen den ganzen Tag in voller Montur arbeiten. „Ich bin nach einer Stunde in Schutzkleidung im OP schon komplett nass geschwitzt.“, sagt sie. Besuch ist nicht erlaubt, daher ist das Spital viel stiller, was am Anfang sehr ungewohnt war. Es gibt Eingangskontrollen und das Personal muss die Ausweise vorweisen, wenn sie aufs Spitalsgelände wollen.

Corona heißt für medizinisches Personal auch Sorge zu haben, dass die Schutzkleidung irgendwann ausgeht, wenn keine Lieferungen mehr kommen. Praktisch täglich ist in Videos von KollegInnen aus anderen Ländern ersichtlich, was es in der Konsequenz heißt, wenn Schutzkleidung knapp wird: Dann wird es lebensgefährlich.

Diese Pandemie zeigt uns einmal mehr, wie wichtig ein starkes öffentliches Gesundheitssystem ist: Wie sehr Menschenleben davon abhängen, ob jede und jeder unabhängig von Einkommen, Versicherungsstatus, Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht und Religion Zugang zu guter medizinischer Versorgung hat. Mirijam wünscht sich, dass weiterhin in dieses Gesundheitssystem investiert wird, um es zu erhalten und weiterentwickeln zu können. Denn nur mit guter Infrastruktur und ausreichend Personal können all die engagierten Menschen im Gesundheitsbereich auch weiterhin ihr Bestes für alle geben.