Steffi, Gesundheits- und Krankenpflegerin

Stefanie arbeitet als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP) in einer Wohngemeinschaft für Kinder und Jugendliche mit schweren Behinderungen. Ihr Arbeitsalltag unterscheidet sich sehr von dem der „typischen“ DGKP, welche im Spital Kranke pflegt und die Station am Laufen hält. Sie kümmert sich um Kinder und Jugendliche, die neben ihrer körperlichen und geistigen Behinderung oft auch Verhaltensauffälligkeiten zeigen (nicht nur einmal ist sie mit Bissspuren und zerkratzten Armen aus dem Dienst gegangen). Sie hilft ihnen nicht nur beim Waschen, Anziehen und Essen, sondern schaut auch darauf, dass die Aufgaben für die Schule erledigt sind, mittels organisierter und begleitender Freizeitaktivitäten gefördert werden und managt die umfangreiche medizinische Versorgung. Stefanie und ihre KollegInnen gewährleisten also, dass die Kinder und Jugendlichen pädagogisch, pflegerisch und medizinisch bestmöglich versorgt sind, damit sie sich entwickeln und entfalten können.

Auch während der Corona-Krise müssen diese Arbeiten mit neuen zusätzlichen Herausforderungen gemeistert werden. Weil kein Regelunterricht stattfindet, absolvieren Stefanie und ihre KollegInnen mit den Kindern täglich zusätzlich auch noch Übungsblätter und eLearning. Auch bezüglich der Freizeitgestaltung stehen alle Beteiligten vor neuen Herausforderungen: Ausflüge oder sonstige Gruppenaktivitäten außerhalb der WG sind nicht mehr möglich. „Mit den Kindern und Jugendlichen, die ohne genug Bewegung verhaltensauffällig werden, versuchen wir täglich spazieren zu gehen. Das ist nicht immer so leicht, weil wir im Moment nur in Einzelbetreuung nach draußen dürfen, was bedeutet, dass sich der Betreuungsschlüssel für die restlichen Kinder in der WG verändert.“, erklärt Stefanie. Da Besuch im Moment nicht erlaubt ist, können die Kinder auch ihre Familien wochenlang nicht sehen. Manche Kinder und Jugendliche sind es gewohnt, dass sie wöchentlich von den Eltern besucht werden oder am Wochenende bei der Familie übernachten. „Wir versuchen das zwar mit Videotelefonaten zu kompensieren, das ersetzt den direkten Kontakt zu den Eltern aber auch nur dürftig.“, sagt sie.

Auch das Risiko einer potenziellen Ansteckung ist trotz der strengen Hygienemaßnahmen eine zusätzliche Herausforderung in Zeiten von Corona. Zwar sind die Kinder und Jugendlichen fast nur noch in der WG, die MitarbeiterInnen jedoch nicht. Sie gehen selbstverständlich nur dann zur Arbeit, wenn sie sich komplett gesund fühlen, aber die Situation bleibt fordernd.

Für eine Zukunft nach Corona wünscht sich Stefanie, dass unser starkes Sozialsystem erhalten und noch weiter verbessert wird, denn die Schwächsten unserer Gesellschaft – seien es Alte, Kranke oder Menschen mit Behinderung – können sich in den meisten Fällen nicht selbst Gehör verschaffen. Damit genug Ressourcen vorhanden sind, ist es umso wichtiger unser Sozialsystem noch weiter auszubauen. So kann sich jeder und jede optimal entwickeln und entfalten. Egal ob mit Behinderung oder ohne.