Marina Hanke BA, LAbg.

Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen

„Wir erleben zurzeit europaweit einen frauenpolitischen Backlash: rechte und konservative Parteien wollen die Zeit zurückdrehen und greifen feministische Errungenschaften an. Das haben wir auch in Österreich unter der Schwarz-Blauen Bundesregierung gesehen: sie haben bei Frauenförderungen gekürzt, mit ihrem Sozialabbau vor allem Frauen getroffen und wollten uns das Selbstbestimmungsrecht über unseren Körper nehmen. Wir schreiben das Jahr 2020. Und 2020 gehört eine solche rückwärtsgewandte, frauenfeindliche Politik nicht in eine Regierung. Diese Politik hat anderswo ihren Stammplatz: Sie gehört in ein Museum. Da müssen wir als Feministinnen stark dagegenhalten. Dafür braucht es uns als starke sozialdemokratische Frauenorganisation.“

Marina Hanke, BA

 

Persönliche Daten

Geboren am 09.05.1990 in Wien

Bildungsweg

2012 – heute: Bachelorstudium der Bildungswissenschaften, Universität Wien
2008 – 2012: Bachelorstudium der Politikwissenschaft, Universität Wien (abgeschlossen)
2016 – heute: Masterstudium Gender Studies
2018 – heute: Lehrgang Supervision, Coaching, Organisationsentwicklung

Politische Laufbahn

2012 – 2016: Vorsitzende Sozialistische Jugend Wien
2013 – 2015: Jugendbezirksrätin in Floridsdorf
2011 – 2012: Frauensprecherin Sozialistische Jugend Wien
Seit 24. November 2015: Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin
Seit Februar 2019: Vorsitzende Verein Wiener Jugendzentren
Seit 6. April 2019: Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen

 

„Die Frauenbewegungen haben in den letzten 100 Jahren großartige Errungenschaften hervorgebracht: das Frauenwahlrecht, Gewaltschutzmaßnahmen, die Fristenlösung, die gesetzliche Verankerung von Gleichstellungspolitik. Dennoch gibt es heute noch viel, wo wir weiterkämpfen müssen. Unsere Ziele sind klar: ein unabhängiges, gutes Leben, in dem man sozial abgesichert ist für alle Frauen. Eine gerechte Aufteilung von Erziehungs- und Hausarbeit. Die Möglichkeit, arbeiten zu gehen, so dass man davon gut leben kann. Und damit: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Ein Recht auf ein Leben frei von Gewalt. Und nicht zuletzt: ein Recht auf Selbstverwirklichung, also auf gesellschaftliche Teilhabe, auf demokratische Beteiligung und Repräsentation, auf Anerkennung. Und mit all dem nicht mehr und nicht weniger als eine gleiche Machtverteilung.“

Marina Hanke, BA

 

Marina Hanke im Interview:

Marina, du bist seit April dieses Jahres neue Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen. Was hat dich dazu bewegt für dieses Amt zu kandidieren?

Frauenpolitik ist seit je her eine Herzensangelegenheit für mich. In meinen politischen Anfangsjahren in der Jugendorganisation bin ich sehr bald mit feministischen Inhalten in Kontakt gekommen und für mich war sehr schnell klar, dass Frauenpolitik ein Thema ist, das mich sehr bewegt und wo es noch sehr viel zu tun gibt. Umso mehr freue ich mich als Wiener Frauenvorsitzende in den nächsten Jahren die SPÖ frauenpolitisch mitgestalten zu dürfen sowie auch über das große Vertrauen, das mir bei der Wiener Frauenkonferenz entgegengebracht wurde.

 

Worin siehst du denn die größten Herausforderungen für uns Frauen in unserer heutigen Zeit? Und wo kann, wo muss die Politik hier unterstützend aktiv sein?

Die Herausforderungen sind, trotz der vielen erfolgreichen Kämpfe der Frauenbewegungen, leider immer noch dieselben geblieben. Es geht immer noch um die Vereinbarkeit von Berufsleben und Freizeit, Stichwort Work-Life-Balance, aber auch um die Frage der Einkommensunterschiede, der Pensionsunterschiede, um die Frage von unbezahlter Hausarbeit und Kinderbetreuung. Hier werden Frauen immer noch öfter in Teilzeit gedrängt, weil sie sich um Haushalt und Kinder kümmern müssen. Auf der anderen Seite verändert sich unsere Gesellschaft natürlich stetig, was für uns Frauen ganz neue Herausforderungen mit sich bringt. Wenn wir im Bereich der Arbeit bleiben, denke ich an die zunehmend prekärer werdenden Arbeitsverhältnisse. Auch hier sind es wieder vordergründig Frauen, die gleich mehrere Jobs nebeneinander machen müssen, nur, damit es sich irgendwie ausgeht. Hier muss man entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit derart prekäre Arbeitsverhältnisse nicht mehr möglich sind. Und noch mehr Dinge verändern sich. Ich denke hier gerade an den Bereich der Kommunikation, an den Social Media Bereich, der unter dem Stichwort „Hass im Netz“ ganz neue Formen von Gewalt mit sich bringt. Hier braucht es Aufklärung, hier braucht es Bestärkung sich zu wehren und das alles eingebettet in entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen, die vor Gewalt schützen.

 

Marina Hanke im Interview Bild: Astrid Knie

Eine ganz persönliche Frage: Gab es Frauen in deinem Leben, die dich ganz besonders geprägt und die deinen Weg beeinflusst haben?

Ja, ziemlich viele eigentlich! Ich komme aus einer Familie mit vielen unterschiedlichen, aber sehr starken Frauen. Da ist einerseits meine Mama, die eine sehr beeindruckende Geschichte hinter sich hat, die mit meinen zwei älteren Geschwistern sehr lange Alleinerzieherin war, nebenbei noch gearbeitet und Ausbildungen gemacht hat. Die damaligen Rahmenbedingungen waren ja noch ganz andere, weil es viele Angebote, die für uns Frauen heute selbstverständlich sind, einfach noch nicht gab. Hiervor habe ich den allergrößten Respekt und ich habe mir mehr als ein Mal die Frage gestellt, wie meine Mama das eigentlich gemacht hat. Dann aber auch meine Oma, die ja überhaupt aus einer ganz anderen Zeit kommt, immer Vollzeit gearbeitet hat und die uns Mädchen immer sehr darin bestärkt hat das zu machen, was wir wirklich wollen. Das hat mich sehr geprägt und prägt mich bis heute.

 

Ein Blick auf die aktuelle Situation: Wo steht die SPÖ im Moment frauenpolitisch?

Wir sehen, dass die mittlerweile schon jahrzehntelange Frauenförderung und Frauenpolitik innerhalb der Organisation Früchte trägt. Wir haben auf allen Ebenen sehr viele starke Frauen in Mandaten, die viel bewegen. Der jahrelange Einsatz spiegelt sich aber auch in der Stadtpolitik wider: Wien ist frauenpolitische Vorreiterin und wir haben sehr viele Angebote, die es in anderen Bundesländern nicht gibt. Wir haben mit der MA 57 eine eigene Frauenabteilung, ein dichtes Gewaltschutznetz oder den Gratiskindergarten. Aber auch der Equal Pension Day und der Equal Pay Day, das heißt, der Tag, an dem Frauen wegen der Pensions- bzw. Einkommensunterschiede im Vergleich zu Männern versinnbildlicht hochgerechnet keine Pension bzw. kein Einkommen mehr bekommen, sind beide in Wien später als in anderen Bundesländern. Das liegt nicht zuletzt an einer starken SPÖ-Frauenpolitik, die in Wien schon seit ganz langer Zeit erfolgreich umgesetzt wird. Aber auch innerhalb der SPÖ hört Frauenpolitik nie auf, da Frauenpolitik immer auch eine Form von Bewusstseinsarbeit ist. Hier ist es unsere Aufgabe, zu sensibilisieren und auch dafür zu sorgen, dass Frauenpolitik, als Querschnittsmaterie, wirklich Aufgabe der gesamten Partei ist und auch als solche gesehen wird. Hier geht es auch darum zu schauen, welche Themenbereiche, ich denke dabei jetzt beispielsweise an den Bereich Infrastruktur und Verkehr, noch immer sehr männlich dominiert sind. Frauenpolitische Themen müssen sich in allen Bereichen der SPÖ wiederfinden.

 

Ein Satz zum Schluss: Was möchtest du den Frauen gerne mitgeben?

Ich möchte allen Frauen sagen, lasst euch von niemandem vorschreiben, was ihr machen dürft oder nicht machen dürft. Seid mutig, traut euch alles, was ihr machen wollt, auch wenn es manchmal schwierig ist. Es gibt immer ganz viele starke Frauen, die an eurer Seite stehen!