Soziale Verantwortung

Immer für die Frauen - Gleichberechtigung
Bild: Ekin Göcen

Die politische Geschichte der Stadt Wien ist vor allem durch ihre sozialpolitische Vorreiterrolle geprägt. Weltweit werden die sozialen Errungenschaften des roten Wien als Paradebeispiele für Zusammenhalt und ein friedliches Miteinander angesehen, was sich auch deutlich in der aktuellen Lebensqualität widerspiegelt. Diese Errungenschaften wären ohne den Mut einer aufmerksamen Zivilbevölkerung und die visionären Ideen bestimmter Persönlichkeiten nicht realisierbar gewesen. Stellvertretend soll hier von einzelnen Meilensteinen erzählt werden.

Am 3. Mai 1893 kommt es in Wien zum ersten organisierten Frauenstreik durch Arbeiterinnen. Auslöser war die Entlassung der Arbeiterin Amalie Seidel. Ihre Kolleginnen wollten ihre Entlassung nicht einfach so hinnehmen und forderten zusätzlich zur Verkürzung der Arbeitszeit von zwölf auf zehn Stunden auch die Wiedereinstellung von Seidel. Als dieses Anliegen abgelehnt wird, verlassen die Arbeiterinnen geschlossen die Fabrik. Nachdem sich kurz darauf bereits 700 Frauen aus drei Fabriken dem Streik anschließen werden die Forderungen schlussendlich akzeptiert: Die tägliche Arbeitszeit wird von 12 auf zehn Stunden reduziert, ein Minimallohn von acht Kronen pro Woche wird festgelegt und Amalie Seidel wieder eingestellt.

Julius Tandler beginnt in den 1920er Jahren als amtsführender Stadtrat für Wohlfahrts- und Gesundheitswesen seine sozialpolitischen Vorstellungen und Vorhaben zu realisieren. Eines dieser Vorhaben ist das 1927 eingeführte Säuglingswäschepaket, das bis heute untrennbar mit Tandlers Aussage: „Kein Wiener Kind darf auf Zeitungspapier geboren werden“ verbunden ist. Die Wäschepakete werden zu Zeiten Tandlers noch bei persönlichen Hausbesuchen der Fürsorge überreicht, wobei auch ein Blick auf die familiären und sozialen Verhältnisse der Kinder geworfen wird. Während des Austrofaschismus wird das Säuglingswäschepaket abgeschafft und nach Ende des 2. Weltkriegs im Jahr 1947, allerdings nur an die bedürftigsten Familien, wieder verteilt. Erst durch einen Gemeinderatsbeschluss 1949 kann es wieder allen Familien ermöglicht werden und schon 1956 überreicht der damalige Bürgermeister Jonas das achtzigtausendste Säuglingswäschepaket seit seiner Wiedereinführung. Bis heute erhalten werdende oder junge Eltern gegen Vorlage des Mutter-Kind-Passes einen Wickelrucksack oder einen Kleinkinderrucksack bei der MA11.

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1992 wird FEM, das erste Frauengesundheitszentrum Wiens, am Standort Semmelweisklinik gegründet. Bald trägt der Erfolg des Modellprojekts FEM erste Früchte und ein zweiter Standort, das FEM Süd im Kaiser-Franz-Josef-Spital, wird 1999 eröffnet. Die dezidierte Auseinandersetzung mit den gesundheitlichen Aspekten und Besonderheiten der weiblichen Gesundheit ist damals europaweit einzigartig. Ein gendergerechtes Gesundheitsverständnis muss innerhalb einer modernen und zukunftsorientierten Gesellschaft zum allgemeinen Selbstverständnis gehören. Nicht zuletzt, weil Frauen nachweislich anderen psychosozialen Belastungsfaktoren ausgesetzt sind als Männer.

Die Stadt Wien ist im Bereich der Sozialpolitik gleichzeitig Vorreiterin und Visionärin. Gerade deswegen wollen wir in Wien uns unsere sozialen Errungenschaften nicht durch schwarz-blaue Begünstigungen der Reichsten und der gleichzeitigen Vernachlässigung der Ärmsten nehmen lassen. Wir stehen zusammen gegen Armutsförderungsgesetze und Sozialabbau, denn zusammen sind wir Wien.