Franziska, 37, Mutter einer Tochter

Mein Beruf als Selbstständige  verlangt mir hohe Flexibilität ab, da ich oft sehr kurzfristig für Aufträge angefragt werde und selten einen pünktlichen Dienstschluss einhalten kann. Das ist an sich mit einem Kind schon nicht einfach zu organisieren. Umso mehr bin ich jetzt auf Betreuung in der Schule angewiesen. Wir würden sonst finanziell nicht über die Runden kommen.

Die Reglements durch Corona an den Schulen sind für mich besonders schwer: Wir Eltern dürfen die Schule nicht mehr betreten und müssen im Vorfeld bekanntgeben, wann das Kind abgeholt und somit vor die Schultüre geschickt wird. Davor war die Nachmittagsbetreuung einfacher, da konnten wir die Kinder flexibel abholen. Ich musste auch schon Aufträge absagen, weil ich nicht früh genug einen Betreuungsbedarf anmelden konnte.

Meine Tochter  trifft die Situation emotional sehr hart. Sie ist eine sehr junge Schulanfängerin. Wäre sie 2 Wochen später geboren, hätte sie erst im Folgejahr mit der Schule begonnen. Sie ist sehr sensibel und braucht länger als andere, sich mit neuen Situationen anzuvertrauen. Gerade als sie „angekommen“ war, begann der erste Lockdown.

Rund einen halben Tag widme ich exklusiv meiner Tochter und dem Homeschooling, alles andere muss währenddessen liegen bleiben. Ihr Papa und ich haben ihr das halbe Alphabet zu Hause beigebracht, aber bei den verschiedenen Rechenmethoden stoße ich an meine Grenzen: Ich habe versucht, eine passende Rechenmethode für meine Tochter zu finden und bin gescheitert. Ihre Wut war dementsprechend. Sie hat zu Weinen begonnen und gesagt, dass sie ihre Lehrerin vermisst, weil die viel besser erklären kann als ich. Und sie hat Recht, ich bin keine Pädagogin. Ich vermisse ihre Lehrerin auch.