Gerechtigkeit für Frauen am Arbeitsmarkt

Katharina - Wiedereinstieg in ein neues Leben
Bild: Katarzyna Bruniewska-Gierczak

Katharina, 40, arbeitet im Qualitätsmanagement eines großen Bäckereiunternehmens in Wien. Sie stammt ursprünglich aus einem kleinen Ort in der Steiermark und ist gelernte Bäckerin. Die Liebe zum Handwerk wurde ihr in die Wiege gelegt, bereits über mehrere Generationen führte die Familie eine kleine Bäckerei.

Für Katharina stand nie außer Frage, die Tradition fortzuführen. Nach Abschluss ihrer Lehre arbeitete sie im elterlichen Betrieb.

Doch als Katharina 23 war, entschloss sich die Familie, die Bäckerei aufzugeben. Zu groß war der wirtschaftliche Druck, man war der Konkurrenz durch die Supermärkte nicht mehr gewachsen.

Die Jobsuche verschlug die junge Frau nach Wien, wo sie innerhalb kürzester Zeit eine Anstellung als Bäckerin in dem Unternehmen, in dem sie auch heute noch beschäftigt ist, fand. Es war für Katharina zu Beginn nicht einfach, in der männerdominierten Backstube ihren Platz zu finden. Ihre Kompetenz und ihr Arbeitseifer ließen die kritischen Stimmen der Kollegen jedoch nach einiger Zeit verstummen. Mehr noch: Ihr Engagement führte dazu, dass man ihr immer mehr Verantwortung übertrug.

In Wien lernte Katharina auch Thomas, einen Krankenpfleger im AKH Wien, kennen. Nach vier Jahren Beziehung folgte die Hochzeit, weitere zwei Jahre später war Katharina schwanger. Für Katharina war klar, dass die Arbeitszeiten als Bäckerin nicht mit der Betreuung eines Kleinkindes vereinbar waren, war doch auch ihr Mann oft zu Nachtschichten im Krankenhaus eingeteilt.

Eine Unterredung mit ihrem Arbeitgeber brachte das erhoffte positive Ergebnis. Er versicherte der Bäckerin, dass sie nach der Karenzzeit im Betrieb einen familienfreundlichen Arbeitsplatz im Büro erhalten werde, wenn sie die dafür notwendigen Weiterbildungen besucht.

Auf der Suche nach geeigneten Möglichkeiten wurde sie auf den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds der Stadt Wien, kurz WAFF, aufmerksam, der über ein eigenes Programm für den Wiedereinstieg verfügt.

Nach einem eingehenden Beratungsgespräch wurde gemeinsam mit der Beraterin ein Bildungsplan erstellt. Die Kosten für die Kurse wurden großteils vom WAFF übernommen. Nach eineinhalb Jahren Karenzzeit kehrte Katharina wieder in ihre Firma zurück, sie begann Teilzeit in der Großkundenbetreuung zu arbeiten.

Für ihre kleine Tochter Lena hat sie einen Platz in einem Kindergarten der Stadt Wiengefunden. Die langen und flexiblen Öffnungszeiten ermöglichten ihr problemlos und beruhigt, der neuen Tätigkeit nachzugehen, da sie sich sicher sein konnte, dass Lena bei dem liebevollen Kindergartenteam gut aufgehoben war.

Nach einigen Jahren, die Tochter hatte bereits das Volksschulalter erreicht, beschloss Katharina den nächsten Karriereschritt zu wagen.

Sie entschied sich, eine weitere Ausbildung im Bereich Qualitätsmanagement zu absolvieren, auch diesmal wieder mit der Unterstützung des WAFF. Ihr Arbeitgeber honorierte ihren Einsatz und bot ihr eine Vollzeitstelle in der entsprechenden Abteilung an.

Da Lena mittlerweile eine Ganztagsschule besuchte und ihr Mann sich zunehmend an Haushalt und Kindererziehung beteiligte, stellte sich Katharina der Herausforderung. Mittlerweile leitet sie das Qualitätsmanagement und ist begeistert über die Chancen, die sie einerseits durch das Unternehmen und andererseits durch die Unterstützung der Stadt Wienerhalten hat.

Doch was wünscht sich Katharina noch für die Zukunft?

„Ich habe mehr erreicht, als ich je zu träumen wagte, und bin mit meiner Lebenssituation zufrieden. Wünsche habe ich allerdings für meine Tochter: Es würde mich freuen, wenn wir es erreichen, dass Frauen in allen Berufen gleichermaßen anerkannt werden und wir in ein paar Jahren nicht mehr darüber diskutieren müssen, ob eine Branche männer- oder frauendominiert ist. Lena soll in einer Gesellschaft aufwachsen, in der Frauen ein Auskommen mit ihrem Einkommen haben und in der qualitätsvolle Jobs für Frauen eine Selbstverständlichkeit sind.“

 

Wien hat mit 79,5 Prozent die höchste Frauenerwerbsquote in Österreich. Auch der Anteil der Frauen, die Vollzeit arbeiten, ist höher als in anderen Bundesländern.

Dennoch haben Frauen mit Nachteilen in der Arbeitswelt zu kämpfen.

Die Stadt Wien muss alles daran setzen, dass Frauen im Berufsleben die gleichen Chancen wie Männer haben und allen Frauen ein Einkommen garantiert wird, mit dem sie ein Auskommen haben.

 

WAS WIR IN WIEN FÜR DICH ERREICHEN WOLLEN

 

  • Der Umstieg von Teilzeit auf Vollzeit soll für Frauen in Zukunft einfacher werden. Wir fordern eine gesetzliche Informationspflicht in Unternehmen, d.h.: Bevor Vollzeitjobs extern ausgeschrieben werden, müssen die Teilzeitkräfte im Unternehmen Bescheid bekommen.

  • Frauen sind im Berufsleben nach wie vor benachteiligt. Sie brauchen daher Unterstützung. Wir wollen die Unterstützungsangebote für Frauen am Wiener Arbeitsmarkt noch weiter ausbauen.

  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss weiter verbessert werden. Wien muss daher die Anzahl der elementaren Bildungs- und Betreuungsplätze erhöhen.

  • Künftig soll jedes Kind bis zum sechsten Lebensjahr, unabhängig von der Erwerbstätigkeit der Eltern, einen Kindergartenplatz erhalten. Die Arbeitssuche und der Wiedereinstieg in den Beruf werden dadurch vor allem für Frauen erleichtert. Generell muss für Kinder von berufstätigen Frauen der Einstieg in den Kindergarten jederzeit möglich sein.

  • Halbe-Halbe ist noch immer nicht selbstverständlich. Bezahlte und unbezahlte Arbeit muss gerecht verteilt werden. Noch immer erledigen Frauen einen Großteil der Hausarbeit, der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. Es muss daher ein Bewusstsein für die Auswirkungen und Chancen der gerechten Verteilung unbezahlter Arbeit geschaffen werden, Kampagnen müssen fortgesetzt werden.

  • Viele berufstätige Frauen sind unter ihren Qualifikationen beschäftigt. Die Stadt Wien soll daher gezielte Förderungen für diese Gruppe bereitstellen.

  • Unternehmen sollen verstärkt in die Pflicht genommen werden, um faire Einkommen zu garantieren. Frauen müssen mit ihrem Einkommen ein Auskommen finden.

  • Im Vergleich zu Männern verdienen Frauen immer noch weniger. Diese Einkommensschere ist in Wien im Vergleich zu anderen Bundesländern am geringsten. Dennoch muss unser Ziel sein, sie ganz zu schließen.

  • Wien muss alles daran setzen, dass der Anteil der Frauen mit Vollzeitarbeitsplätzen erhöht wird.

WAS WIR IN WIEN FÜR DICH ERREICHT HABEN

 

  • frauenfreundlichster Arbeitsmarkt in Österreich

  • zahlreiche Aus- und Weiterbildungsförderungen für Frauen

  • Frauenschwerpunkt im Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds

  • bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

  • höchster Anteil an Frauen, die Vollzeit arbeiten

  • höchste Frauenerwerbsquote

  • geringster Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern