Stadt ohne Gewalt

Johanna - Ein Leben ohne Angst
Bild: Katarzyna Bruniewska-Gierczak

Johanna, 31, kann jetzt das Leben wieder genießen. Sie arbeitet halbtags in einem kleinen Bekleidungsgeschäft, die Nachmittage verbringt sie gerne mit ihren beiden Kindern in der Natur und oft lädt sie Freundinnen zum Plaudern ein. Eine junge Frau, die offen und herzlich wirkt, der man nicht anmerkt, dass sie ein jahrelanges Martyrium hinter sich hat.

Eigentlich hat die Beziehung zwischen ihr und Martin sehr gut begonnen. Die beiden kennen sich schon von Kindesbeinen an, sie haben die gleiche Volksschule besucht. Als Johanna dann 17 war, haben sie sich zufällig bei einem Straßenfest wieder getroffen und ineinander verliebt. Für Johanna war Martin der perfekte Partner: humorvoll, höflich und fürsorglich. Vielleicht hin und wieder ein bisschen aufbrausend, doch Johanna schenkte dem keine Aufmerksamkeit.

Nach der Geburt des ersten Kindes veränderte sich die Beziehung schlagartig. Martin, der im Schichtdienst arbeitete, fühlte sich durch das schreiende Baby gestört. Der Stress im Beruf und das knappe Familienbudget taten ihr Übriges. Martin wurde immer öfter ausfallend, wegen Kleinigkeiten beschimpfte er Johanna lautstark. Es dauerte nicht lange und seine Wut trieb ihn dazu, seiner Frau eine Ohrfeige zu verpassen.

Johanna verschloss die Augen vor der Realität und redete sich ein, dass dies alles nur eine Phase sei, da sich Martin auch immer wieder entschuldigte und weinte, nachdem er seine Frau attackiert hatte. Und sie suchte die Schuld bei sich, hinterfragte, ob sie nicht zu viel von ihm verlange und vielleicht eine schlechte Mutter sei, der es nicht gelinge, ihr Kind richtig zu beruhigen.

Als sie mit dem zweiten Kind schwanger war, verschlimmerte sich jedoch die Situation. Martin fing an, sie regelmäßig zu schlagen, ohne Rücksicht auf sie oder das ungeborene Kind. Johanna zog sich immer mehr zurück, vermied es, die Wohnung zu verlassen, da sie nicht wollte, dass jemand ihre blauen Flecken sah. Eines Abends eskalierte die Situation vollends.

Wie von Sinnen prügelte Martin auf sie ein, schlug gegen Möbel und wollte auch auf das Kind einschlagen. Die junge Frau sah keinen anderen Ausweg, als mit dem Kind aus der Wohnung zu flüchten.

Eine Nachbarin, die die lautstarke Auseinandersetzung mitbekommen hatte, holte die beiden in die Wohnung und wählte 01 71 71 9, die Nummer des 24-Stunden-Frauennotrufs der Stadt Wien. Binnen kürzester Zeit waren Rettung und Polizei vor Ort.

Johanna wurde ärztlich versorgt und mit ihrem Kind in eines der Wiener Frauenhäuser gebracht. Dort kam Johanna zum ersten Mal seit langem zur Ruhe.

Vor Ort wurde sie mit dem Nötigsten wie Kleidung und Kinderausstattung versorgt und vom Personal des Frauenhauses umsorgt. Noch in ihrer Zeit im Frauenhaus kam das zweite Kind zur Welt. Die Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen überzeugten die junge Mutter, gegen Martin Anzeige zu erstatten, und begleiteten sie zu den Verhandlungen.

Das Gericht verhängte gegen Martin eine Gewaltschutz-Verfügung, er darf sich Johanna und den Kindern nicht mehr nähern. Nach dem Gerichtsurteil zog Johanna aus dem Frauenhaus aus, auch bei der Wohnungssuche wurde sie unterstützt und sie wurde beraten, welche finanziellen Hilfen sie in Anspruch nehmen kann.

Auch wenn sie mittlerweile ihre neu gewonnene Freiheit genießt und sich Martin bisher an die Anordnung des Gerichts gehalten hat, so kommen doch immer wieder Unsicherheiten auf.

„Aber ich weiß jetzt, dass ich jederzeit zum Telefon greifen und mich an den Frauennotruf wenden kann. In Wien wird man in Notsituationen nicht alleine gelassen und das ist ein gutes Gefühl. Ich will, dass meine Kinder in einer Gesellschaft aufwachsen, in der das Thema Gewalt in der Familie endgültig enttabuisiert ist, und möchte, dass man sich noch intensiver mit den Opfern, aber auch den Tätern auseinandersetzt.“

 

Gewalt betrifft Frauen aller Altersgruppen, Gesellschaftsschichten und Kulturen.

Es ist die zentrale Aufgabe einer Gesellschaft, Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen und in Notlagen zu unterstützen.

Es braucht mehr öffentliches Bewusstsein, um Gewalt bereits im Vorfeld abzuwenden und betroffenen Frauen Mut zu machen, Hilfe anzunehmen.

 

WAS WIR IN WIEN FÜR DICH ERREICHEN WOLLEN

 

  • Wir wollen das Bewusstsein für Gewalt gegen Mädchen und Frauen stärken und die Wiener Unterstützungseinrichtungen bekannter machen.

  • Wien verfügt bereits über ein dichtes Gewaltschutznetz, das neben Beratungseinrichtungen und Frauennotruf auch Frauenhäuser und Übergangswohnungen umfasst. Wir wollen die finanzielle Absicherung und die bedarfsgerechte Adaptierung dieser Einrichtungen.

  • Gewalt an Frauen tritt in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen auf. Wir treten für eine Adaptierung und Anpassung von gesetzlichen Regelungen an neue Gewaltformen ein und fordern einen eigenen Straftatbestand bei psychischer Gewalt.

  • Neben der Arbeit mit den Opfern müssen wir auch die Täterarbeit verstärken, um Gewalt vorzubeugen.

  • Gewalt gegen Frauen ist ein Querschnittsthema. Ärztinnen und Ärzte, KindergartenpädagogInnen, PolizistInnen und viele andere Berufsgruppen sind wichtige Verbündete im Kampf gegen Gewalt. Deshalb ist es uns wichtig, dass sie für die körperlichen und seelischen Folgen von Gewalt noch stärker sensibilisiert werden.

  • In der Ausbildung soll noch mehr darauf geachtet werden, dass diese Berufsgruppen in Hinblick auf Gewalt gegen Frauen sensibilisiert werden. Der Anteil an Frauen in diesen spezifischen Berufsfeldern soll ebenso erhöht werden wie auch der Anteil an Personal mit Migrationshintergrund.

 

WAS WIR IN WIEN FÜR DICH ERREICHT HABEN

 

  • dichtes Wiener Gewaltschutznetz

  • Soforthilfe für Gewaltopfer

  • 24-Stunden-Frauennotruf 01 71 71 9

  • fixe Finanzierung der Wiener Frauenhäuser

  • Übergangswohnungen für Frauen