Ein Pensionssystem für Frauen: Eine gute Pension braucht ein gutes Fundament!

Bild: Astrid Knie

Frauenleben sind anders als Männerleben. Aus diesem Grund braucht es endlich ein auf Frauen zugeschnittenes Pensionssystem.

Frauen erhalten deutlich weniger Pension als Männer. 2020 sind dies im Österreichschnitt ganze 42 Prozent – Tendenz steigend. Damit haben Männer bereits am 30. Juli so viele Pensionszahlungen erhalten wie Frauen im gesamten Jahr 2020. Wien ist mit 32,6 Prozent positives Schlusslicht im Ranking. Geschuldet ist der Pensionsunterschied zwischen Frauen und Männern in erster Linie dem Faktor Teilzeitarbeit sowie der Tatsache, dass noch immer Frauen einen Großteil der unbezahlten Care-Arbeit wie Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege übernehmen. Auch der geringe Verdienst in frauendominierten Berufssektoren sowie die noch immer existierenden Lohnunterschiede bei Männern und Frauen für gleiche berufliche Tätigkeiten wirken sich nachteilig auf die spätere Pension von Frauen aus.

„In Wien findet der Equal Pension Day „erst“ am 2. September statt. Das ist eine Verbesserung zum Vorjahr und zeigt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen“, zieht die Wiener SPÖ-Frauenvorsitzende Marina Hanke über die derzeitige Situation Bilanz. „Nach wie vor liegt unserem Pensionssystem aber ein typisch männliches Erwerbsleben zu Grunde, Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden, trotz unterschiedlicher Erwerbsbiografien, kaum gemacht“, so Marina Hanke. „Es ist dringend notwendig, sich unser Pensionssystem aus der Perspektive aller Menschen anzusehen und entsprechende Maßnahmen zu setzen, welche Frauen eine sichere und faire Pension garantieren“, fordert die Wiener SPÖ-Frauenvorsitzende.

Den dringenden Handlungsbedarf in punkto Pensionsunterschieden unterstreicht Frauenstadträtin Kathrin Gaál: „Altersarmut betrifft vor allem Frauen. Das ist alarmierend. Die Einkommensschere setzt sich im Alter weiter fort. Frauen leisten nach wie vor einen Großteil der unbezahlten Arbeit“, so die Wiener Frauenstadträtin. „Unser klares Ziel ist es, die Lohnschere und die Lücke zwischen der Pension von Männern und Frauen zu schließen. Das Ziel ist: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“, betont Gaál.

Wie das Fundament für eine gute Pension aussehen muss, verdeutlichten die Wiener SPÖ-Frauen im Rahmen einer Medienaktion. Fakt ist: Die Voraussetzungen für eine gute Pension werden schon viel früher, über das gesamte Erwerbsleben hinweg, geschaffen. „Hier braucht es gesellschaftliche Voraussetzungen, die Frauen eine gute Pension garantieren wie flächendeckende ganztägige Kinderbetreuung, „Halbe-Halbe“ bei unbezahlter Arbeit, faire Löhne, einen auf Frauen abgestimmten Durchrechnungszeitraum und eine bessere Karenzzeitanrechnung“, fasst Marina Hanke diese Voraussetzungen zusammen. „All diese Maßnahmen garantieren Frauen später eine gute Pension“, so Marina Hanke. „Als Stadt tun wir alles, was möglich ist, um hier ein bestmögliches Fundament zu schaffen“, lautet die klare Ansage von Kathrin Gaál und Marina Hanke.

Auch Prof. Harry Kopietz,  Präsident des Wiener Pensionistenverbands bekräftigt, dass Wien voll und ganz hinter den Pensionistinnen  steht. „Ungerechtigkeiten bei Männer- und Frauenpensionen müssen beseitigt werden. Jede Pensionistin soll gut von ihrer Pension leben können“, so Prof. Harry Kopietz.

Und gerade jetzt ist dies notwendiger denn je. Denn der lange Arm der Corona-Krise reicht für viele der Betroffenen bis ins Pensionsleben hinein. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Teilzeit schmälern die zukünftige Pension. Hinzusehen und die Auswirkungen der Krise und all die daraus resultierenden negativen Konsequenzen für Frauen endlich zu erkennen und mit einem umfassenden Maßnahmenpaket aktiv zu werden, lautet der wiederholte und dringende Appell von Marina Hanke und Bundesrätin Korinna Schumann an Frauenministerin Susanne Raab. „Hier geht es um viele Frauenschicksale, welche nicht einfach vom Tisch gewischt werden dürfen“, verdeutlicht Korinna Schumann die Dringlichkeit der Situation. „Es bedarf einer sofortigen Erhöhung des Arbeitslosengeldes, einer Neubewertung von Arbeit in frauendominierten Berufsbranchen sowie einer mindestens 50-prozentigen Verwendung der AMS-Mittel für Frauen“, fordert Korinna Schumann abschließend.