Die Errungenschaften der Frauenbewegung

Immer für die Frauen - Solidarität
Bild: Ekin Göcen

Der 16. Februar 1919 markiert ein einschneidendes Ereignis in der österreichischen Geschichte. An diesem Tag konnten Frauen unabhängig von ihrem sozialen Stand bei der Wahl zur konstituierenden Nationalversammlung erstmals vom aktiven und passiven Wahlrecht Gebrauch machen. Dieses, für uns heutzutage fast selbstverständliche Recht, ist das Ergebnis eines unermüdlichen Kampfes, den frühere Generationen von Frauen auch für uns ausgetragen haben. Von diesem Kampf soll anhand der folgenden sozialdemokratischen Wiener Beispiele erzählt werden.

1871 wird der erste Arbeiterinnen-Bildungsverein in Mariahilf gegründet, der 1889 auf Apell der Arbeiterin Viktoria Kofler wiedergegründet wird. Dieser Verein der auch über eine eigene Bücherei verfügt, bildet eine der wichtigsten Wurzeln der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Wichtige Vorkämpferinnen der linken Frauenbewegung wie Auguste Fickert oder Adelheid Popp halten hier regelmäßig Vorträge und Reden. Beim zweiten Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie im Jahr 1891 kann der Verein Viktoria Kofler und Alice Salomon als Delegierte entsenden. Die Jahre danach sind hauptsächlich vom Kampf um das allgemeine und gleiche Frauenwahlrecht gekennzeichnet. Als 1893 der Lese- und Diskutierclub Libertas mit dem Ziel gegründet wird sozialdemokratische Rednerinnen auszubilden, verliert der Arbeiterinnen-Bildungsvereinzunehmend an Bedeutung und wird schlussendlich aufgelöst.

Auf dem zweiten sozialdemokratischen Parteitag 1891 stellen die weiblichen Delegierten einen Antrag auf Herausgabe einer eigenen Frauenzeitschrift. Die erste Ausgabe der Arbeiterinnen-Zeitungerscheint am 1. Jänner 1892 unter der Leitung von Redakteuren der Arbeiter-Zeitung. Der einzige weibliche Beitrag ist der einleitende Artikel von Adelheid Dworak. Nach Protesten der weiblichen Genossinnen wird am Parteitag 1892 schließlich der Antrag auf eine selbstständige weibliche Redaktion gestellt und nach einiger Diskussion einstimmig angenommen. Adelheid Dworak wird schlussendlich die Schriftleitung übertragen und 1893 wird Viktoria Kofler Herausgeberin der Arbeiterinnen-Zeitung.

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Am 19. März 1911 findet der erste österreichische Frauentag statt. In Wien marschierten etwa 20.000 Frauen über die Ringstraße zum Rathaus. Die wichtigste Forderung ist von Anfang an, neben Mutterschutz, Sozialversicherung und Arbeitnehmerinnenschutz, die Einführung des allgemeinen und gleichen Frauenwahlrechts.

Es wird allerdings bis zur Ausrufung der Republik am 12. November 1918 dauern, bis die Frauen endlich ihre vollen bürgerlichen Rechte erhalten.1921 wird der 8. März als Internationaler Frauentag auf der Zweiten Kommunistischen Frauenkonferenz in Moskau beschlossen. Ab 1924 feiern die österreichischen Sozialdemokratinnen den Frauentag meist in der letzten Märzwoche und erst in den siebziger Jahren gewinnt der Internationale Frauentag, der nun überall am 8. März gefeiert wird, wieder an Bedeutung.

Im Jahr 2019 erleben wir, dass viele hart erkämpfte Errungenschaften wieder in Gefahr sind. Fördermittel für Frauenorganisationen und –vereine werden gekürzt und die Einführung des 12-Stunden-Tags macht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Frauen so gut wie unmöglich. Lassen wir uns unsere Stimme nicht nehmen, sondern nützen wir sie, um die Dinge in unserem Sinne zu verändern.

Das Rote Wien