Selbstbestimmung

Immer für die Frauen - Selbstbestimmung
Bild: Ekin Göcen

Der Kampf um das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung ist mindestens so alt wie die Frauenbewegung selbst. Dass eine Frau selbst darüber bestimmt, was mit ihrem Körper und damit auch in weiterer Folge mit ihr selbst passiert, ist gleichzeitig so selbstverständlich geworden wie immer noch heftig diskutiert.

In Österreich hat es bis zur Familienrechtsreform Mitte der 1970er Jahre gedauert, bis die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs in Form der Fristenlösung gesetzlich verankert wird. Davor müssen Schwangerschaftsabbrüche illegal und unter oftmals gesundheitlich bedenklichen Umständen durchgeführt werden. Nicht wenige der betroffenen Frauen versterben an den Folgen dieser oftmals unprofessionell durchgeführten Prozeduren. Die damalige Reform des Familienrechts von 1811 bringt aber noch weitere maßgebliche Neuerungen mit sich: So wird unter anderem die Stellung des Mannes als Oberhaupt der Familie gesetzlich abgeschafft und damit die Gleichberechtigung der Frau in der Ehe gesetzlich verankert. Die gesetzliche Stellung unehelicher Kinder wird verbessert, die Teilung des ehelichen Vermögens beschlossen und auch das Scheidungsrecht wird reformiert. Heute erleben wir, wie selbsternannte Bürgerinitiativen wie „#fairändern“ oder „Agenda Europe“ versuchen, dieses Recht auf Umwegen immer weiter auszuhöhlen, und somit einen gravierenden gesellschaftspolitischen Rückschritt ganz bewusst in Kauf nehmen.

Auch Gewalt gegen Frauen ist ein Problem, das selbst vor Österreich nicht Halt macht. Und das, obwohl vor allem hier in Wien maßgeblich am Ausbau von Beratungsstellen, Präventionsprojekten und der umfassenden Sensibilisierung gearbeitet wird. Auch juristisch gesehen nimmt Österreich eine Vorreiterrolle innerhalb der EU ein, wird doch 1997 das Gewaltschutzgesetz inklusive geltendem Wegweserecht verabschiedet.

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Auch die Wiener Frauenhäuser können als tragende Säule in punkto Gewaltschutz auf eine bewegte, aber auch erfolgreiche Zeit zurückblicken. 1978 wird das erste Frauenhaus in Wien eröffnet und mittlerweile befindet sich bereits das fünfte Frauenhaus in Planung, das 2020 fertiggestellt wird. Der Opferschutz ist jedoch nur ein Teil der Gesamtlösung. Präventiv müssen vor allem in Bezug auf Jugendarbeit und Männerberatung noch Unterstützung und Fördermittel erhöht werden. Darüber hinaus bergen auch die neuen Technologien verstärkt neue Formen von Gewalt gegen Frauen. Der so genannte „Hass im Netz“ ist eine Form der verbalen bzw. psychischen Gewalt, der Frauen und Mädchen im Internet und in den sozialen Netzwerken ausgesetzt sind. Diese Gewalt äußert sich in Form von sexistischen Beschimpfungen, über Erpressungen bis hin zu Morddrohungen, denen Frauen online ausgesetzt sind.

Es kann in einem vereinten Europa schlicht und ergreifend nicht traurige Normalität sein, dass Frauen ihr Leben aufgrund von verschobenen Machtverhältnissen nicht mindestens genauso selbstbestimmt leben können wie ihre männlichen Mitbürger.

Wir stehen auf den Schultern von beharrlichen und entschlossenen Frauen, die für uns sinnbildlich Mauern niedergerissen haben. Heute gilt es, die Überreste dieser niedergerissenen Mauern zu  beseitigen und den Bau neuer Mauern zu verhindern. Das weibliche Selbstbestimmungsrecht ist Teil eines selbstbestimmten und unabhängigen Frauenlebens, das nie wieder in Frage gestellt werden darf.